Augustus

I
Augụstus
 
[lateinisch »der Erhabene«], Ehrenname der römischen Kaiser, zuerst am 16. 1. 27 v. Chr. vom römischen Senat an Octavianus (Augustus, römischer Kaiser) verliehen. In der Form semper Augustus ist er auf die deutschen Kaiser im Heiligen Römischen Reich mit dem Sinn »Allezeit Mehrer des Reiches« übertragen worden.
 
II
Augụstus,
 
ursprünglich Gaius Octavius, nach seiner Adoption Octavian(us), der erste römische Kaiser, * Rom 23. 9. 63 v. Chr., ✝ Nola 19. 8. 14 n. Chr.; Sohn des Gaius Octavius (Oktavier) und der Atia, einer Nichte Caesars; 40-38 v. Chr. Ȋ mit Scribonia, dann mit Livia Drusilla. Von seinem Großonkel Caesar testamentarisch adoptiert und zum Haupterben eingesetzt, nahm er nach dessen Ermordung (44 v. Chr.) den Namen Gaius Iulius Caesar an, nannte sich seit 40 v. Chr. Imperator Caesar Divi filius und erhielt am 16. 1. 27 v. Chr. den Titel Augustus; den Namen Octavian hat er persönlich nicht geführt.
 
Aufstieg, Kampf um die Alleinherrschaft:
 
Octavian war von Caesar für den geplanten Partherkrieg zum Reiterführer (magister equitum) designiert und zu Studienzwecken nach Apollonia in Südillyrien geschickt worden. Dort erfuhr er im März 44 v. Chr. von der Ermordung seines Großonkels sowie seiner Adoption und Erbeinsetzung; er begab sich sofort nach Italien und nahm den Namen Caesar an. In Rom kam es zu Auseinandersetzungen mit Marcus Antonius (Antonius), der ihn zunächst nicht anerkennen wollte. Doch gewann Octavian Unterstützung beim Volk und bei den Veteranen Caesars, aus denen er im Oktober 44 v. Chr. eine Privatarmee aufstellte. Mithilfe Ciceros gelang es ihm im Dezember 44 v. Chr., den Senat zur Legalisierung seiner Ansprüche und zum Bruch mit Antonius zu bewegen. Octavian wurde, ohne ein Amt bekleidet zu haben, in den Senat aufgenommen und als Heerführer mit prätorischem Rang anerkannt. 43 v. Chr. kämpfte er gemeinsam mit den Konsuln Hirtius und Pansa gegen Antonius und befreite den in Mutina (heute Modena) belagerten Decimus Brutus (Mutinensischer Krieg). Nach dem Tod der beiden Konsuln (April 43 v. Chr.) löste er die Verbindung mit den Republikanern und erzwang im August mit bewaffneter Macht seine Wahl zum Konsul. Im Oktober 43 v. Chr. schloss er mit Antonius und Marcus Aemilius Lepidus das 2. Triumvirat, das den drei Männern auf fünf Jahre die höchste Gewalt im Staat übertrug. Nachdem die republikanische Opposition durch die Proskriptionen und den Sieg über die Caesarmörder bei Philippi (Oktober 42 v. Chr.) ausgeschaltet worden war, teilten die Machthaber das Reich unter sich auf. Während Antonius den Osten und Gallien, Lepidus Africa erhielt, sollte Octavian in Italien die Veteranen ansiedeln. Dabei kam es zum Konflikt mit Lucius, dem Bruder des Antonius, den Octavian durch die Einnahme Perusias (heute Perugia) besiegen konnte (Perusinischer Krieg, 41 vor Chr). Im Vertrag von Brundisium (heute Brindisi) söhnte er sich 40 v. Chr. mit Antonius aus, der seine Schwester Octavia heiratete. Octavian erhielt den ganzen Westen bis auf Africa, das weiter in der Hand des Lepidus blieb. Nach der Erneuerung des Triumvirats im Vertrag von Tarent (37 v. Chr.) gelang es Octavian, mithilfe des Agrippa bei Naulochos den entscheidenden Sieg über Sextus Pompeius, der bis dahin Sizilien beherrscht hatte, zu erringen und anschließend auch den Triumvirn Lepidus auszuschalten (36 v. Chr.), der nur die Würde des Pontifex maximus (Pontifex) behielt. 32 v. Chr. kam es dann zum Konflikt mit Antonius. Octavian ließ von Italien und den Westprovinzen einen Treueid leisten und wurde mit besonderen Vollmachten ausgestattet. Der Senat entkleidete Antonius aller Ämter und erklärte der mit ihm verbündeten ägyptischen Königin Kleopatra den Krieg. Der Sieg von Aktium (2. 9. 31 v. Chr.), die Eroberung Ägyptens und der Tod des Antonius und der Kleopatra (30 v. Chr.) machten Octavian zum Alleinherrscher.
 
Der Prinzipat:
 
Nach der Regelung der Verhältnisse im Osten kehrte Octavian 29 v. Chr. nach Italien zurück. Er stand nun vor der Aufgabe, den Staat neu zu ordnen und unter größtmöglicher Schonung der überkommenen Formen seine eigene Machtstellung legalisieren zu lassen. Am 13. 1. 27 v. Chr. gab er daher seine Ausnahmegewalten an Senat und Volk zurück. Auf Bitten des Senats übernahm er jedoch zum Schutz des Reiches für eine bestimmte (aber dann bis zu seinem Tod immer wieder verlängerte) Frist die wichtigsten Grenzprovinzen (u. a. Gallien, Spanien, Ägypten und Syrien) mit den dort stehenden Truppen. Zum Dank verlieh ihm der Senat den Beinamen Augustus (»der Erhabene«). Bis zum Jahr 23 v. Chr. bekleidete Augustus jährlich das Konsulat. Nach dessen Niederlegung erhielt er die volle »tribunicia potestas«, das heißt alle Rechte eines Volkstribunen (besonders Veto- und Gesetzgebungsrecht). Nach dem Tod des Lepidus 12 v. Chr. wurde er Pontifex maximus, 2 v. Chr. erhielt er den Titel »pater patriae« (Vater des Vaterlandes). In Italien und in den Provinzen sowie in abgeschwächter Form auch bei der stadtrömischen Plebs genoss Augustus außerdem göttliche Verehrung.
 
Die Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung durch den »Kaiserfrieden«, die Pax Augusta, brachte Wohlstand für Italien und die Provinzen. Der Erwerb zahlreicher Kolonien und die Verleihung römischer Stadtrechte förderten dort in Verbindung mit einer ausgedehnten Bautätigkeit die rasche Romanisierung, besonders im Westen. Nach der Eingliederung Ägyptens (30 v. Chr.) und der als Sieg gefeierten Verständigung mit den Parthern (Rückgabe der Feldzeichen des Crassus im Jahr 20 v. Chr., dargestellt auf dem Panzer der Augustusstatue von Prima Porta) verzichtete Augustus im Osten auf weitere Eroberungen. Dagegen wurden in Europa Nordwestspanien, die Alpen, das nördliche Alpenvorland sowie der Balkan bis zur Donau erobert. Der Versuch, Germanien zwischen Rhein und Elbe zu unterwerfen, scheiterte (Niederlage des Varus 9 n. Chr.).
 
Augustus bemühte sich, die römische Religion zu erneuern sowie durch Gesetze dem Sittenverfall Einhalt zu gebieten und die Ehe zu reformieren (mit wenig Erfolg). Als Förderer von Literatur (Vergil, Horaz, Livius, Ovid, der später in Ungnade fiel) und Kunst (Ara Pacis Augustae; augusteische Kunst) gab er dem Augusteischen Zeitalter, einer Blütezeit des Römischen Reiches, seinen Namen. Seine Bautätigkeit machte Augustus zum Neugründer Roms.
 
Schwierigkeiten bereitete die Regelung der Nachfolge. Nach dem Tod seiner Enkel Gaius und Lucius Caesar aus der Ehe seiner einzigen Tochter Julia (Iulia) mit Agrippa musste Augustus schließlich seinen Stiefsohn Tiberius (aus der ersten Ehe der Livia Drusilla) adoptieren.
 
Augustus ist der Begründer des römischen Kaisertums (des Prinzipats). Die Machtstellung des Princeps (des »Ersten«) beruhte rechtlich auf einer Reihe ihm verliehener Sondergewalten, faktisch auf dem Oberbefehl über das Heer, auf einer ausgedehnten Klientel (Gefolgschaft, Klient) und einem riesigen Privatvermögen (Patrimonium), in der öffentlichen Meinung auf dem Ansehen (Auctoritas), das sich Augustus als Sohn des zum Gott erhobenen Caesar und als oberster Priester ebenso wie durch seine Taten erworben hatte. Dabei wurden die republikanischen Elemente in der neuen Staatsform schon unter Augustus durch die monarchischen Tendenzen in den Hintergrund gedrängt, ohne doch ganz zu verschwinden. Vom schriftlichen Nachlass des Augustus ist sein Tatenbericht durch inschriftliche Kopien (besonders das Monumentum Ancyranum) fast vollständig erhalten.
 
Das auf Gold- und Silbermünzen sowie in den im ganzen Reich aufgestellten Statuen überlieferte Porträt des Augustus wurde wohl von Griechen im Auftrag des Kaisers geschaffen. Das hier erstmals gestaltete offizielle Porträt legte die Augustusdarstellungen für immer fest.
 
Ausgabe: Res gestae. Das Monumentum Ancyranum, herausgegeben von H. Volkmann (31969, mit Kommentar); Imperatoris Caesaris Augusti Operum. Fragmente, herausgegeben von E. Malcovati (Turin 51969); Caesar Augustus. Seven aspects, herausgegeben von F. Millar und E. Segal (Oxford 1984); Augustus, herausgegeben von W. Schmitthenner (21985); D. Kienast: Augustus. Prinzeps und Monarch (21992).
 
III
Augustus
 
Am 23. September 63 v. Chr. kam C. Octavius (Octavian), Sohn der Atia, einer Nichte Caesars, in Rom zur Welt. Bereits 48 wurde er zum Pontifex (Priester) gewählt; im Alter von 18 Jahren begleitete er Caesar auf den spanischen Kriegsschauplatz. Da Caesar ohne legitime Nachkommen war, adoptierte er testamentarisch seinen Großneffen und machte ihn zu seinem Haupterben. In der Phase der Auseinandersetzungen mit den Mördern Caesars begründete dieser im November 43 zusammen mit Antonius und Lepidus das Zweite Triumvirat. Nach dem Ausscheiden des Lepidus aus dem Bündnis entspann sich zwischen den verbliebenen Triumvirn ein Machtkampf, aus dem Octavian nach Antonius' Niederlage bei Actium 31 als Sieger hervorging.
 
In Rom ließ Octavian im Januar 29 den Janustempel als Zeichen für die formelle Beendigung des Krieges schließen und feierte einen dreifachen Triumph. Seine radikalen »Säuberungsmaßnahmen« kosteten 190 Senatoren ihren Sitz. Im Dezember 28 hob er alle Verfügungen der Triumvirn auf; auf Bitten der Senatoren nahm er im Jahre 27 die Alleinherrschaft (Principat) und den Ehrennamen Augustus (der Erhabene) an.
 
Seine Befugnisse als Princeps (der Erste) leiteten sich innenpolitisch vom Konsulat ab, das er seit 31 kontinuierlich innehatte; außenpolitisch diente ihm die zunächst auf zehn Jahre befristete prokonsularische Befehlsgewalt über die noch nicht völlig befriedeten Provinzen, das heißt Gallien, Syrien, Spanien und Ägypten, als Machtgrundlage. Ein wichtiges Kriterium stellte dabei die auctoritas (Autorität) des Princeps dar, wobei sowohl die persönliche, seit 44 aufgebaute Machtstellung, als auch die Abstammung vom vergöttlichten Caesar und nicht zuletzt finanzielle Möglichkeiten eine große Rolle spielten.
 
Im Sommer 23 legte Augustus das Amt des Konsuls nieder; stattdessen erhielt er nun die tribunizische Gewalt auf Lebenszeit und die höchste Befehlsgewalt auch über die senatorischen Provinzen. Im Laufe der folgenden Jahre wurden immer mehr Aufgabenbereiche der Verantwortung des Augustus unterstellt. Im Jahr 22 erhielt er die Oberaufsicht über die Getreideversorgung Roms (cura annonae), zwei Jahre später auch diejenige über die Straßen (cura viarum). Im Jahr 12 löste er Lepidus als Pontifex maximus (Oberpriester) ab und leitete von nun an auch das Sakralwesen. 2 v. Chr. wurde er schließlich als Pater patriae (Vater des Vaterlandes) geehrt.
 
Augustus wollte die römische Gesellschaft gemäß seinen konservativen Vorstellungen reformieren. Seine Ehe- und Sittengesetze sollten die Zügellosigkeit in den führenden Schichten eindämmen und zu neuem Kinderreichtum führen. Zur Versorgung der Veteranen richtete Augustus eigens eine Kasse (aerarium militare) ein; das alte Heer bildete er zu einer effizienten Berufsarmee um.
 
Als Augustus am 19. August 14 n. Chr. in Nola starb, hatte er die von ihm geschaffene Herrschaftsform, den Principat, bereits derart fest verankert, dass sein Stiefsohn Tiberius wie vorgesehen die Nachfolge antreten konnte. Einen Monat später erhob der Senat Augustus, dem schon zu Lebzeiten kultische Verehrung zuteil geworden war, unter die Götter.
 

Universal-Lexikon. 2012.

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